HTML5 compliant browser required
Registrieren oder Anmelden
NICHTS ALS DIE NACKTE WAHRHEIT
 
Beitragsansicht

NICHTS ALS DIE NACKTE WAHRHEIT

«Wo gibt es die längste Talfahrt im Winter? Seit Jahren in der Schweiz im Alpinetourismus auf Talfahrt!»

 

Der Wintertourismus in der Schweiz befindet sich bekanntlich in der Krise. Trotzdem betritt ein Mann ein Sportgeschäft in einem Skiort irgendwo in Graubünden.

Mann: Grüzi.

Verkäuferin: Grüezi. Was khan i für Si tue? Faared Si Schgi oder Snowboard? Sit dera Saison verkaufend mir au Gras-Schgi, da sind khlini Rolle dra, wo wien es Raupesyschtem . . .

Mann: Ich versteh leider kein Schwizerdütsch, können Sie bitte Deutsch sprechen . . .

Verkäuferin: Was? Sind Sie ein Ausländer?

Mann: Ist das ein Problem?

Verkäuferin: Nein, um Gotts willen, bleiben Sie da. Willkommen! Ausländer sind jetzt so selten geworden, dass ich mich schon frage, warum wir in unserem Bergdorf fleissig Fremdsprachen lernen. Quelle est votre pointure? Numero di scarpa? What ist your feet number?

Mann: Fünfundvierzig.

Verkäuferin: Aber all die Sprachen nützen nichts, wenn die Politik alles tut, damit die Ausländer sich unwohl fühlen. Seit Jahrzehnten warnen Experten, der Klimawandel treffe die alpinen Gebiete, und was machen wir? Bombardieren die Pisten mit Hunderttausenden Kubikmeter Wasser. Ein Energieverbrauch, dass man in ganz Graubünden die Weihnachtsbeleuchtung fünf Jahre lang anlassen könnte. Wir lösen das Problem mit den Ursachen des Problems.

Mann: Mein Problem ist, dass ich neu . . .

Verkäuferin: Klar, ich bin froh, wenn ich unsere Ski ein paar Jahre noch verkaufen kann, aber wenn die Politik schon nichts gegen das Klima tut, dann müssen die uns nicht auch noch einen solchen Franken reinpfeffern, dass bei uns ein paar Ski so viel kosten wie in Österreich eine Woche Winterurlaub.

Mann: Ach, ist das so?

Verkäuferin: Doch als wären Klimaerwärmung und starker Franken nicht genug, posaunen die Leute, die nun alle im Parlament sitzen, in die Welt hinaus, dass wir Schweizer die Ausländer nicht mögen. Keine Gelegenheit lassen die aus, um klarzumachen, dass wir die Grenzen zur EU sofort schliessen sollten, da wir unter Dichte­stress leiden. Bei solchen Nachrichten ists ja klar, dass keine Europäer herreisen, weil sie denken, dass sie auf der einzigen offenen Piste vor lauter Menschenmassen kaum vorankommen und beim Après-Ski so grob bedient werden, als wären sie für den Werteverlust der Schweiz verantwortlich. Dabei schmerzt uns das Wegbleiben der europäischen Gäste. Auch die Araber kommen bald gar nicht mehr. Eine Stammkundin aus Dubai schrieb mir, sie wolle nicht mehr in die Schweiz, jetzt, wo die Kopfverhüllung verboten sei.

Mann: Ich dachte, Helm ist Pflicht?

Verkäuferin: Nein, nein, nein, hab ich geschrieben, das sei nur im Tessin der Fall, aber doch nicht bei uns in Graubünden! Doch wie soll man Touristen, die kaum zwischen Schweiz und Schweden unterscheiden können, erklären, was der Unterschied zwischen Ascona und Arosa ist? Und in Zukunft wird es nicht besser, wenn erst diese Kontingente oder Schutzklauseln in Kraft treten. Dann gibt es in der Schweiz weder Schnee- noch Rechtssicherheit für unsere Gäste. Und wen können wir noch pauschalbesteuern, wenn keiner kommt? Die Einzigen, die sich hier noch sicher fühlen, sind die Russen und Chinesen. Die haben weniger Probleme mit autoritären Staaten, aber die wollen nicht in unser Dorf, sondern nach Luzern, aufs Jungfraujoch, in Shoppincenter.

Mann: Shopping genau, ich würde jetzt endlich gern meine ...

Verkäuferin: Es ist für uns existenziell und dramatisch. Der Adolf Ogi hat ja endlich einen Gipfel zur Tourismuskrise ausgerufen. Jemand nimmt uns ernst, aber was ist schon zu erwarten? Eine «Volksinitiative zur Einschaffung touristischer Ausländer»? Auch hier wird das Problem mit der Ursache des Problems gelöst.

Mann: Es reicht, ich will jetzt endlich meine Schuhe kaufen! Und zwar brauche ich bei dem Wetter weder Ski noch Snowboard. Ich will Wanderschuhe.

Verkäuferin: Excüsi, excüsi, Schuhe klar, brauchen Sie sonst noch was an Ausrüstung?

Mann: Nein, ich geh nacktwandern.

Verkäuferin: Oh . . . Das ist doch in der Schweiz auch verboten.

Admin 03.11.2016 0 342
Kommentare
Sortieren nach: 
Per Seite:
 
  • Bis jetzt noch keine Kommentare vorhanden
Beitragsinfo
03.11.2016 (vor 747 Tagen)
Bewertungen
0 Bewertungen
Aktionen
Teilen
Kategorien
Wintersport Satire (1 beiträge)
Schlagworte